Rock'n'Roll.







Von Zukunftsangst und verschwendeten Stunden

Verschwendungssucht! Das ist das Stichwort, wenn ich über meinen derzeitigen 'Lebenswandel' nachdenke.
Ich quäle mich in die Schule um ins Leere zu starren und am Ende genauso hohl wieder nach Hause zu gehen, wo ich mich vor den Rechner setzte und Stunden lang durch die Weltgeschichte klicke und meine eigentlichen Ziele völlig aus den Augen verliere. Ich vegetiere quasi nur noch vor mich hin und spüre förmlich wie mein Denkvermögen nach und nach schwindet. Aus dem "Morgen gehe ich ins Fitnessstudio" sind mittlerweile sechs Monate geworden und aus dem "Morgen fange ich endlich an meine WL Sachen zu sortieren und schon mal alles zu strukturieren" nun geschlagene 16 Wochen. Und irgendwie schaffe ich es nicht meinen fetten Hintern aufzuraffen und endlich was zu tun. Nein, stattdessen hocke ich zuhause, blase Trübsaal und könnte regelmäßig heulen, weil ich so unglaublich scheiße zu mir selber bin. Das ist doch kein Leben! Das ist Unlust und fördert den Hass auf die eigene Person!
HAT JEMAND NEN MOTIVATIONSCOACH FÜR MICH!?

Das Schlimmste ist aber zurzeit die Zukunftsangst die mich dabei immer wieder überkommt. Die allseits bekannte Frage: Was mache ich wenn ich mein Abi habe?
Ich bekomme Zustände wenn mich irgendjemand danach fragt, was ich denn mache will und es tut mir aufrichtig Leid, aber früher oder später musste auch ich zu genau diesem Thema kommen. Ich kann auch nichts dafür, dass unser supertolles Schulsystem alles macht, außer uns auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Da sind Probleme doch vorprogrammiert. Wen wundert es, dass man zu Hauf junge Menschen findet, die plötzlich nicht mehr wissen wohin mit sich selber? 13 Jahre, 13 unglaublich lange Jahre hatte mein Leben einen Rhythmus, einen geregelten Ablauf und ich konnte mich darauf verlassen am nächsten Morgen noch zu wissen was aus den nächsten Wochen, Monaten und Jahre werden soll: DU GEHST ZUR SCHULE, WAS SONST!?
Richtig. Aber aus Jahren wird ehe man sich versieht EIN Jahr und aus dem werden noch schneller Monate und schon kann man diese an den Händen abzählen. Mir graut jetzt schon davor nur noch Wochen, oder gar Tage zu haben. Ich habe Angst vor dem Tag an dem ich aufwache und plötzlich nicht mehr weiß was die Zukunft bringt.
Es ist nicht nur ein soziales Umfeld das weg bricht, wenn ich plötzlich nicht mehr zur Schule gehe. Es ist nicht nur die Angst davor auf mich alleine gestellt zu sein und den Mut aufbringen zu müssen ins kalte Wasser zu springen. Es ist nicht nur die Angst davor alleine da zu stehen während alle anderen wunderschöne Leben haben und ich selber zu schüchtern bin um mir ein ‚neues Leben’, ein Leben nach der Schule aufzubauen. Nein, es ist ein Ritual, eine Regelmäßigkeit ... mein bisheriges Leben, dass mir den Boden unter den Füßen wegreißt! Denn wenn wir ehrlich sind, dann haben wir genau 13 Jahre unseres Lebens damit verbracht in die Schule zu gehen. Dass sind gerade einmal sechs weniger als ich auf der Welt bin und wenn es hoch kommt kann ich mich von dieses sechs an gerade einmal drei erinnern. Mein gesamtes Gedächtnis ist also auf diesen Rhythmus abgestimmt. Sommerferien, Schule, Herbstferien, Schule, Weihnachtsferien, Schule, Zeugnisse, Schule, Osterferien, Schule, Sommerferien - womit sich der Kreislauf schließlich wieder schließt. Ja, wen wundert es also, dass ich hier sitze und Angst habe, wenn ich Schweißausbrüche bekomme bei dem Gedanke was aus mir werden soll.

Und bei dem verzweifelten Versuche genau dies zu bekämpfen reite ich mich immer weiter rein. Ich male mir etwas aus wie mein neues Leben wird, überlege wie ich eine neue Regel in mein Leben bekomme. Ich überlege zu studieren, oder eine Ausbildung zu machen, aber ... so weit kann ich nicht denken. Mein Horizont beschränkte sich schließlich auf einen kurzen Zeitraum. Der weiteste Gedanke den ich, was die Zukunft betrifft, je gefasst habe, ist der zum Abitur und das stand immer starr und fest am Ende des Weges den ich eingeschlagen habe, den ich einschlagen wollte. Die einzige Sorge die ich hatte war die Versetzung zu schaffen, positiv Noten zu erreichen und das Abi nicht zu verpassen. Jetzt stehe ich kurz davor und soll in eine Zukunft blicken, die so ungewiss ist wie nichts zuvor in meinem Leben. Und das Ganz ohne Unterstützung. Ich muss selber wissen was ich will, soll einschätzen wo meine Stärken und Schwächen liege - bis jetzt hat das ein Lehrer für mich übernommen, jetzt steht niemand mehr hinter mir der auf einen Punkt zeigt und sagt: Da musst du hin nun seh mal zu wie du hinkommst. Das Schwerste an der ganzen Sache ist diesen Punkt selber bestimmen zu müssen - da machen es die unendlich vielen Möglichkeiten, denen ich schutzlos ausgeliefert bin, nicht gerade einfacher etwas als neues Ziel zu fixieren. Und eine neue Angst steigt in mir auf:
WOHER weiß ICH, DASS ICH DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG TREFFE!?

Ich weiß es nicht und ich kann es nie wissen, das Problem ist nur, dass ich dieses Gefühl nicht kenne. Nicht im Bezug auf meine berufliche Zukunft. Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich mein Abi vor Augen habe weiß ich was meine berufliche Zukunft in näherer Zukunft für mich parat hält.
Jetzt bekomme ich einen 768 Seiten starken Studienführer in die Hand gedrückt und Vorträge über NC und Unibewerbungen. Ich muss mir anhören wie was funktioniert, wenn ich mich denn entschieden habe was ich machen möchte und zu allem Überfluss bekomme ich auch noch gesagt, ich solle mich beeilen damit das Beste nicht schon weg ist, wenn ich anfange zu suchen. Ich bekomme Strategisieren aufgetischt was ich tun soll wenn ich studieren möchte, was wenn ich eine Ausbildung machen will, aber niemand kann mir wirklich bei der Entscheidung helfen was aus mir werden soll – stattdessen streut jeder Salz in die Wunde und allerorts hat jemand ein kleines Kännchen Öl parat, dass genüsslich ins Feuer geträufelt wird. Wie soll man da nicht Nächte lang wach liegen und verzweifelt nach einer Lösung für sich selber grübeln. Wenn man dann noch von eben jeden Menschen schmerzlich auf den Boden der Tatsachen zurück beordert wird, indem Statistiken einem verraten, dass der Berufswunsch kaum Aussichten hat, am Ende mit einer vernünftigen Arbeit belohnt zu werden – na dann bedanke ich mich doch gerne bei jeder Behörte und jedem verdammten Statistischen Bundesamt für die Hilfe. Ich bin schlauer als vorher und irgendwie doch nicht. Die Suche nach dem „Was wird auf mir wenn ich mein Abi habe?“ erscheint wie ein nie enden wollender Tunnel und alles was mir bleibt um nicht einfach anzuhalten und mich dem Dunkel hinzugeben, ist die nie erschöpfliche Hoffnung darauf, dass am Ende ein Licht auf mich wartet.

Was ich sagen will:
Scheiß Schulsystem. Ich will raus hier! Ich will jemanden der mir sagt was ich tun soll. Ich will keine eigene Entscheidung treffen müssen. Vor allem will ich aber keinen, der mir auch noch auf die Nase bindet das diese Entscheidung wichtig für mein weiteres Leben ist! Was ich will sind keine Menschen die mich ansprechen und mich fragen was ich mache, wenn ich mit der Schule fertig bin, denn auf diese Frage finde ich keine Antwort ... nur zusammen gestammelte Worte, die irgendwie leer und hohl erscheinen und meine Entscheidung – die ich insgeheim vielleicht schon getroffen habe – in ein schlechtes Licht Rücken. Ich will nicht darüber reden und ich will Zuversicht statt löchernder Fragen. Dafür liebe ich meine Eltern, die mir irgendwann versicherten: Du wirst deinen Weg schon finden. Die mich unterstützen und es irgendwann aufgegeben haben mich zu fragen was ich machen will.

Zuversicht ist es, was ein geschundener Abiturient heutzutage braucht ...
DENN WIR WERDEN UNSEREN WEG SCHON FINDEN!
30.9.08 22:44
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(19.10.08 16:34)
Du sprichst mir aus der Seele

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